Daten und Fakten 2009 der unternehmerischen Wohnungswirtschaft in Thüringen

Im November 2009 legte das Statistische Bundesamt die Ergebnisse der 12. mit den Statisti-schen Landesämtern koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung vor. Diese zeigt im Ver-gleich zu den vorangegangenen Berechnungen kein völlig neues Bild der demografischen Entwicklung. Die Bevölkerung in Deutschland nimmt seit 2003 ab. Dieser Rückgang wird anhalten und sich sogar verstärken. Ende 2008 lebten rund 82 Mio. Menschen in Deutsch-land. 2060 werden es zwischen 65 und 70 Mio. sein. Durch die niedrige Geburtenhäufigkeit von 1,4 Kindern je Frau, die bereits seit über 30 Jahren besteht und auch in Zukunft wahr-scheinlich ist, fällt jede neue Generation kleiner aus als die ihrer Eltern. Eine etwas höhere Geburtenhäufigkeit würde diesen Trend nur mildern. Die Differenz zwischen der Zahl der Geborenen und der Gestorbenen, das Geburtendefizit, wird deutlich von 162.000 im Jahr 2008 auf 550.000 bis 580.000 im Jahr 2050 steigen.

 

Die abnehmende Zahl der Geburten und das Altern der bevölkerungsstarken mittleren Jahr-gänge führen zu gravierenden Veränderungen der Altersstruktur der Bevölkerung. Im Jahr 2008 waren 19 % der Bevölkerung jünger als 20 Jahre, 61 % waren 20- bis unter 65-jährig und 20 % waren älter als 65. Der Anteil der 65-järigen und Älteren wird sich bis zum Jahr 2030 auf 29 % erhöhen. Im Jahr 2060 wird jeder Dritte 65 und älter sein (34 %).

 

Ähnlich wie die Bevölkerung insgesamt zeichnet sich auch für die Bevölkerung im Erwerbsal-ter, d.h. dem Alter zwischen 20 und 65 Jahren, eine deutliche Schrumpfung und Alterung ab. Im Jahr 2008 gehörten knapp 50 Millionen dieser Altersgruppe an. Ab dem Jahr 2020 wird mit einem deutlichen Rückgang auf 39 – 41 Millionen im Jahr 2035 gerechnet. Der Bevölke-rung im Erwerbsalter werden künftig immer mehr Seniorinnen und Senioren gegenüberste-hen.

 

Die Ergebnisse der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zeigen, dass man sich auf die Konsequenzen aus dem Rückgang und der Alterung der Gesamtbevölkerung und insbesondere der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter einstellen muss. Weder Zuwande-rung noch eine leicht erhöhte Geburtenrate können diesen Prozess aufhalten. Sie können ihn lediglich abmildern.

 

Auch der Freistaat Thüringen ist von einem weiteren Bevölkerungsrückgang betroffen. Laut Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik hatte der Freistaat am 30.06.2009 2.257.063 Einwohner. Im Vergleich zum 30.06.2008 nahm Thüringens Einwohnerzahl um 21.100 Personen bzw. um 0,9 % ab. Der Einwohnerrückgang im 1. Halbjahr 2009 resultierte aus einem Wanderungsverlust von rund 4.600 Personen sowie einem Sterbefallüberschuss von 6.100 Personen. Täglich „verlor“ Thüringen im 1. Halbjahr 2009 durchschnittlich 59 Ein-wohner – 27 Männer und 32 Frauen, davon 13 Männer bzw. 12 Frauen durch Wanderungs-verlust.

 

Im Frühjahr 2010 legte das Thüringer Landesamt für Statistik, basierend auf den Ergebnis-sen der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, einen statistischen Bericht zur Entwicklung der Bevölkerung Thüringens von 2009 bis 2060 vor. Betrachtet werden in Ab-hängigkeit von den Annahmen zur Außenwanderung zwei Varianten. Variante 1 geht von einem ansteigenden, ab dem Jahr 2014 konstanten jährlichen Wanderungsgewinn von 100.000 Personen für Deutschland aus. Variante 2 nimmt einen ansteigenden, ab 2020 kon-stanten jährlichen Wanderungsgewinn von 200.000 Personen an. Ab dem Jahr 2031 tragen die Ergebnisse Modellcharakter, da die maßgeblichen Komponenten, wie Geburtenhäufig-keit, Lebenserwartung, Zu- und Fortzüge über die Grenzen Thüringens immer schwerer ab-schätzbar sind.

 

 

 

Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik, Statistisches Jahrbuch 2009; 12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

 

Vergleicht man die Angaben in den bisherigen koordinierten Bevölkerungsvorausberechnun-gen mit der tatsächlichen Entwicklung – und dies ist zwischenzeitlich auch in den neuen Bundesländern im Verlauf von 20 Jahren möglich – wird deutlich, dass nicht die Berech-nungsvarianten mit den positivsten Annahmen zutrafen, sondern eher die mit vorsichtigen bis hin zu pessimistischen Annahmen.

 

Sind die Ergebnisse der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland insgesamt bereits alarmierend, so stellen sie sich für den Freistaat Thüringen noch kritischer dar. Dies betrifft nicht nur den voraussichtlichen Rückgang der Bevölkerung um nahezu 42 % im Vergleich des Jahres 2060 mit dem Basisjahr 2008, sondern den Anstieg des Anteiles der älteren Bevölkerung von 22,6 % im Jahr 2008 auf 38,4 % im Jahr 2050. 2060 ist dann ein leichter Rückgang dieses Anteils zu verzeichnen.

 

Ab dem Jahr 2020 kommen die geburtenstarken Jahrgänge, geboren zu Beginn der 60er Jahre, langsam in das Rentenalter. Dies führt zusammen mit der steigenden Lebenserwar-tung zu einem deutlichen Anstieg der nicht erwerbstätigen Bevölkerung im älteren Alter. Mit dem Eintritt der geburtenschwachen Jahrgänge, geboren ab Beginn der 90er Jahre, redu-ziert sich ab dem Jahr 2050 der Anteil der älteren Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung langsam.

 

 

 

Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik, 12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

 

 

Der sich vollziehende demografische Wandel in Thüringen hat sich bereits auf viele gesell-schaftliche und wirtschaftliche Bereiche, wie das Gesundheitswesen und den Pflegebereich, ausgewirkt. Künftig werden diese Auswirkungen noch stärker auch im Bereich der Kinder-betreuung, der Bildung und dem Arbeitsmarkt wirksam werden. Die Berechnungen des Thü-ringer Landesamtes für Statistik sind von großer Bedeutung für die Bedarfsplanung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, aber auch Kindertageseinrichtungen und Schulen. Dies gilt in gleichem Maße für Wohnraum und Infrastruktur.

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