Daten und Fakten 2010 der unternehmerischen Wohnungswirtschaft in Thüringen

VI. Klimaschutz durch Energieeinsparung

Den Fragen rund um das Thema „Energieeinsparung“ wird von Seiten der Wohnungsunter-nehmen seit vielen Jahren sowohl unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes als auch des möglichst wirtschaftlichen Einsatzes von Energie größte Aufmerksamkeit zuteil.

 

 

Quelle: GdW Jahresstatistik, Energieverbrauchsstatistik des BMWi, GdW Berechnung

 

Die Baumaßnahmen im Bestand, Modernisierung und Instandhaltung/Instandsetzung waren und sind in der Regel mit erheblichen Energieeinsparungen verbunden. Diese Maßnahmen führten dazu, dass der mittlere Energieverbrauch der Wohnungsunternehmen im GdW deut-lich unter dem mittleren Energieverbrauch aller Haushalte in Deutschland liegt. Im Zeitraum 1990 bis 2007 wurden rund 57 % der Wohnungen von GdW-Unternehmen vollständig bzw. teilweise energiesparend modernisiert. Der Anteil der energieeinsparend modernisierten Wohnungen bei den Wohnungsunternehmen in den neuen Bundesländern liegt noch deut-lich höher, galt es doch einen gewaltigen Sanierungsstau seit Beginn der 90er Jahre abzu-bauen.

 

Quelle: Jahresstatistik zum 31.12.2007

 

Dieser hohe Stand der energiesparenden Modernisierung kommt nicht nur der Umwelt durch einen niedrigeren Energieverbrauch und damit verbunden einen geringeren CO2-Ausstoß zugute, auch die Mieter profitieren davon, reduzieren sich doch deren Heizkosten erheblich nach Modernisierungsmaßnahmen.

 

Diese Reduzierung wurde in den vergangenen Jahren durch die unverhältnismäßig steigen-den Preise für Energieträger aber aufgehoben. Der Anstieg der Energiepreise war so hoch - seit dem Jahr 2000 stiegen diese um 76 % - dass es unweigerlich auch zu einem Anstieg der Heizkosten kam. Dieser Anstieg war dank der intensiven energieeinsparenden Modernisie-rungsmaßnahmen aber deutlich geringer als der Anstieg der Kosten für Energieträger.

 

Die Einführung der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV 2009) hat die Anforderungen an Maßnahmen sowohl im Neubau als auch im Wohnungsbestand unter energetischen Ge-sichtspunkten verschärft. Vielfach überlegen die Unternehmen bereits heute, ob Maßnahmen überhaupt realisierbar sind, da die Erreichung des Zieles einer 30%-igen Energieeinsparung vor dem Hintergrund des bisher bereits Erreichten wirtschaftlich häufig nicht darstellbar ist.

 

Von politischer Seite wird nunmehr daran gearbeitet, nach Evaluierung der EnEV 2009 eine EnEV 2012 auf den Weg zu bringen. Damit soll eine Richtlinie der EU umgesetzt werden. Entscheidend für die Unternehmen sind aber die konkret getroffenen Regelungen. Wird, wie derzeit angedacht, eine weitere gravierende Energieeinsparung gefordert, so werden Maß-nahmen nahezu zum Erliegen kommen, da sie nicht mehr finanzierbar sind. Rund drei Viertel der Wohnungsunternehmen schätzen ein, dass die neue EnEV ihre Investitionsentscheidun-gen negativ beeinflussen wird. Lediglich ein Viertel geht davon aus, dass andere Einflussfak-toren für die Unternehmen wichtiger sein werden.

 

Ausgangspunkt für die Bestrebungen, Energie insbesondere im Wohnungsbestand einzu-sparen, ist die häufig anzutreffende Aussage, dass der Gebäudebereich ca. 40 % des ge-samten Energieverbrauchs in Deutschland verursacht. Der Gebäudebereich umfasst aber nicht nur den Wohnungsbestand, er beinhaltet auch den Energieverbrauch der Sektoren Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, also Heiz- und Prozesswärme, mechanische Energie, Beleuchtung in Gewerbegebäuden, Krankenhäusern, Einkaufszentren, Schulen u.v.m.

 

 

 

Quelle: GdW, Zahlen und Fakten, Energiedaten, BMWi Erläuterung: HH – Haushalte

GHD – Gewerbe, Handel, Dienstleistung

 

Darüber, welchen Anteil Raumwärme und Warmwasserbereitung der privaten Haushalte am Energieverbrauch und an den CO2-Emissionen haben und speziell die vermieteten Ge-schosswohnungen, auf die die EnEV abzielt, wird selten erwähnt. Der Endenergieverbrauch der privaten Haushalte für Raumheizung und Warmwasserbereitung betrug im Jahr 2006 rund 24 % des deutschen Endenergieverbrauchs.

 

Dieser Energieverbrauch bezieht sich auf alle bewohnten Wohneinheiten. Rund 45 % davon sind in Deutschland vermietete Wohnungen im Geschosswohnungsbau bzw. in Mehrfamili-enhäusern. Da die durchschnittliche Fläche einer vermieteten Wohnung jedoch kleiner ist als die mittlere Wohnfläche selbst genutzter Wohnungen oder auch vermieteter Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, entfällt nur rund ein Drittel der bewohnten Wohnfläche auf den vermieteten Geschosswohnungsbau. Somit entfallen auf den Mietwohnungssektor rund 8 % des deutschen Endenergieverbrauchs für Raumheizung und Warmwasserbereitung.

 

Betrachtet man die CO2-Emissionen, ergibt sich ein ähnliches Bild. Die CO2-Emission der privaten Haushalte für Raumheizung und Warmwasserbereitung betrug 2004 nach statisti-schen Angaben 15 % der deutschen CO2-Emissionen. Davon entfällt ein Drittel auf den ver-mieteten Geschosswohnungsbau. Somit entfallen ca. 5 % der deutschen CO2-Emissionen auf Raumheizung und Warmwasserbereitung im vermieteten Geschosswohnungsbau.

 

Diese Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Stand der energiesparenden Modernisierung im Wohnungsbestand der Mitgliedsunternehmen in den Verbänden des GdW macht deutlich, dass hier nicht der Bereich ist, in dem hohe Energieeinsparungen und hohe Reduzierungen des CO2-Ausstoßes erreicht werden können. Dies heißt aber nicht, dass die Wohnungsun-ternehmen in ihrem Bemühen um eine energetische Sanierung ihrer Bestände nachlassen. Dafür ist den Wohnungsunternehmen der Klimaschutz zu wichtig. Angesichts steigender Energiepreise spielen energieeinsparende Maßnahmen auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Begrenzung der Betriebskosten.

 

 

 

Quelle: GdW, Zahlen und Fakten, Energiedaten, BMWi

 

Die Betrachtungen zum Endenergieverbrauch und zum CO2-Ausstoß zeigen, dass eine Sen-kung des fossilen Energieverbrauchs und der damit verbundenen CO2-Emissionen nur gelin-gen kann, wenn alle Sektoren – auch Verkehr und Industrie – sowie alle Gebäudearten – auch öffentliche und gewerbliche – einbezogen werden.

 

Die Wohnungsunternehmen erwarten von der Politik deshalb, mit Augenmaß neue Regelun-gen zur Energieeinsparung im Wohnungsbestand zu treffen. Maßgeblich ist, das Wirtschaft-lichkeitsgebot auch im Sinne der Mieter zu berücksichtigen.

 

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