Erfurt, 07. Juni 2010
Die Schaffung von seniorengerechtem Wohnraum muss künftig Priorität bei der Thüringer Landesregierung bekommen. Das fordern die AWO und der Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw.).
Im Landeshaushalt sind für die Schaffung von seniorengerechten und barrierefreien Mietwohnanlagen lediglich 282.000 Euro eingestellt worden. „Das ist halbherzig“, sagt Hans-Joachim Ruhland, Verbandsdirektor des vtw. „Entweder will ich, dass Senioren länger in den eigenen vier Wänden leben können, dann muss ich das fördern, oder ich lasse es ganz.“ Der Grundsatz ambulant vor stationär darf nicht nur auf dem Papier gelten. Wenn man bedenkt, dass derzeit nur ein Prozent der Thüringer Wohnungen seniorengerecht sind, sei das angesichts der demografischen Entwicklung völlig unzureichend.
Denn gerade die Barrierefreiheit ist eine Grundvoraussetzung für ein längeres Leben in der eigenen Wohnung. Handläufe, Fahrstühle, breite Türen, durch die auch ein Rollstuhl passt, ebenerdige Bäder und Haltegriffe sind zwingend erforderlich. So etwas ist aber teuer und lässt sich über sozialverträgliche Mieten kaum refinanzieren. Gleiches gelte auch für Gemeinschaftsräume bzw. Kommunikations- und Begegnungsstätten. Dabei spielen auch diese Räume eine große Rolle. Oft finden sich hier ehrenamtliche Initiativen oder Quartierssozialarbeiter, die Veranstaltungen und Angebote für Senioren vorhalten. So werde Hilfe zur Selbsthilfe und Unterstützung in der Nachbarschaft gefördert.
Die AWO und der vtw. fordern die Thüringer Landesregierung deshalb auf, die Förderung für seniorengerechten Wohnraum deutlich auszuweiten. „Das ist nicht nur eine Frage des sozialen Engagements, sondern auch der steuerpolitischen Vernunft“, sagt AWO Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann. Denn seniorengerechter Wohnraum sorge nachweislich dafür, dass Heimeinzüge verhindert oder zumindest verzögert werden. Und das entlaste die Pflegekassen und auch die Sozialhilfe erheblich.
AWO Landesverband Thüringen
Die Arbeiterwohlfahrt ist einer der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. In Thüringen hat die AWO circa 7.500 Beschäftigte und 10.000 Mitglieder. Im Landesverband sind 23 Kreisverbände organisiert, die weitgehend selbstständig arbeiten.
Im Internet unter: www.awo-thueringen.de
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